Jenäht auf Kreativ-Tour

Hallo,

Du hast schon länger nichts von mir gelesen. Stimmt! Du vermisst genähte Werke von mir hier im Blog? Da muss ich Dich leider heute ebenfalls enttäuschen. Zwar habe ich in den letzten Wochen in jeder freien Minute einiges genäht, so dass die Post für die Aktion Freudeschenken an alle fehlenden ab sofort unterwegs ist. Doch die Spannung soll nicht vorweg genommen werden. Außerdem bin ich selbst aufgeregt, ob es Euch wohl gefällt?! Wir werden sehen. Ehrlicherweise kostet die Aktion mich einige Nerven und vermutlich bleibt sie einmalig. Erst gestern beim Aufräumen des Nähzimmers verspürte ich seit langem statt Nähfrust endlich mal wieder Nählust. Diese Unterbrechung hat zur Folge, dass der heutige Beitrag erst so spät online geht. Ehrlicherweise muss ich aber eingestehen, dass der Ruf meiner Nähmaschine unglaublich gut getan hat. Kurzum, in den nächsten Tagen wird es hier wieder mehr von mir zum Lesen geben, versprochen 😘

Ohne eigene Nähwerke könnte folgender langer Beitrag langweilig für Dich sein? Vielleicht! Doch ich möchte ihn absolut nicht vorenthalten. Mein letztes Wochenende ist einfach nur herrlich gewesen. Die Freude möchte ich mit Dir teilen. Ich hoffe, der Funke springt über. Mach es Dir ruhig bei einer Tasse Deines Lieblingsgetränk gemütlich und begleite uns doch sehr gerne bei unserem ersten Besuch einer Kreativmesse in Form eines langen Romans. Mein Mann würde jetzt gähnen. Ich verrate schon mal: hinterher war er aber doch positiv überrascht. Es lohnt sich!

GELUNGENE ÜBERRASCHUNG

So startet der letzte Monat des Jahres mit einer aufregenden Premiere, die auch ohne Generalprobe und ohne durchdachter Planung zu einem für mich einzigartigen Erlebnis führt. Der 1. Dezember 2019 wird nicht nur aufgrund der Tatsache, dass ich zum ersten Mal seit bestimmt drei Jahren unser Heim pünktlich zum 1. Advent weihnachtlich dekoriert habe (juhuuuu) in Erinnerung bleiben. Meine eiserne Tradition erst nach dem Volkstrauertag mit dem Dekorieren zu beginnen, hat mich dabei in arge Zeitnot gebracht. Größere Wohnung und so… Zur Belohnung gibt es gleich ein ausgiebiges Frühstück in gemütlicher Runde.

Danach hat sich Jenäht auf Tour nach Neumünster gemacht. Doch ich fange am Besten von vorne an. Was habe ich mich nämlich gefreut, als ich die Plakate kurz vor dem Messetermin von handgemacht Kreativmarkt bei uns im Ort entdeckt hatte. Endlich auch mal bei uns in der Nähe. Unglaublich! Die Euphorie bei meinem Mann hält sich eher norddeutsch bedeckt.

Doch ich hatte einige Fragen und schrieb daher einfach mal über instagram die Organisatoren an. So wünschte ich mir vor allem einen Bloggertreff. Den gab es dieses Jahr auf dem Kreativmarkt leider noch nicht. Aber wer weiß, vielleicht passiert es ja nächstes Jahr? Gerne auch in Kiel! Jedenfalls entdecke ich Samstag Abend eine überraschende Antwort, die ich erst nicht verstanden habe. So hat Janine mich auf die Gästeliste gesetzt. — G Ä S T E L I S T E — hallte es in meinem Kopf. Blondes Küken wie ich bin, musste ich mir das erst übersetzen lassen. Sprich, ich habe Abendbrot gegessen. Und dann selbstredend gejubelt. Ich meine, wir wollten eh am Sonntag zum Markt. Aber unter der Voraussetzung dank meines Blogs als Pressevertreterin den Markt zu besuchen. Joa, schon ein ziemlich geiles Gefühl. Tschuldige, aber andere Worte klingen geschwollen.

DER ERSTE EINDRUCK

Jetzt hat mein Fotograf keine Ausrede mehr, denn auch wenn ich mich mit seiner Spiegelreflexkamera inzwischen ganz gut auskenne, so sind seine Fotos definitiv (diesmal irgendwie nicht 😝) besser. Wir kommen also Sonntag bei den Holstenhallen in Neumünster an. Ich, mega aufgeregt, Kind und Mann etwas genervt. Und was fällt auf?! Es ist leer. Also auf dem Parkplatz sind schon viele Autos. Aber so im großen und ganzen… Leer. Nun, viele essen Mittag daheim. Das kommt vielleicht noch. Gehen wir mal in die Halle rein.

Nach der freundlichen Begrüßung geht es durch einen Vorraum, bei dem man gemütlich einen Imbiss essen kann, weiter in die Halle. Etwa 120 Aussteller präsentiere ihre Handwerkskunst. Überraschenderweise sind auch einige dabei, die lediglich Material verkauft haben. Der Eindruck über einen schnellen Blick auf die Homepage war eigentlich so, dass eben nicht nur Material verkauft werden soll. Dennoch dauerte “einfach mal gucken” schon etwas länger. Was für Schätze, überall! Ob aus Holz, Stoff, Papier, Beton, Malerei und und und. Klar, nicht alles braucht man, nicht alles gefällt. Ja meih, Geschmack liegt im Auge des Betrachters. War immer so und wird sich so schnell nicht ändern. Überraschenderweise haben wir nur einen Stand mit gestrickten Wollsocken entdeckt. Laut Niels aus alten Teppich-Wollresten. Super interessant! Näheres kann ich leider nicht berichten. Durch meine Aufregung und Freude über die Geschichten hinter den angesprochenen Mädels hatte ich mich einfach zu viel verquatscht und wir hatten ja noch eine Verabredung am Nachmittag.

EINZELNE AUSSTELLER

Leider habe ich aus Zeitgründen nicht annähernd alle gewünschten Händler geschafft anzusprechen. Konzentriert habe ich mich sowieso aufgrund meiner Vorliebe auf genähte Werke.

Ein freudiger Aufschrei kam von mir bei dem Stand von Windverpackt. Janty zaubert Taschen aus alten Segeltüchern und einige werden im Siebdruck mit maritimen Motiven bedruckt. Nebengewerblich nutzt sie kreativ ihre kinderfreie Zeit. Ihre Technik und das Material gehören einfach zu uns nach Schleswig Holstein. Herrlich! Pscht, im Nachhinein ärgere ich mich über die nicht gekaufte kleine Tasche mit dem Wal. Ehrlich, hat frau wirklich genügend Täschchen für Tüddel?

 

Besonders einprägsam ist für uns der Verkaufsstand von Atelier Ambeli. Sarah zaubert seit Jahren Dekoartikel und Schmuck aus Harz, Beton und Gießkeramik. Auch nicht ignorieren konnte ich die beiden Schlüsselanhänger. Hier werden sie ganz bestimmt als Taschenbaumler eine Verwendung finden. Kenne ich Betonwerke eher als rauh und schroff, gestaltet Sarah alles wirklich angenehm weich. Die Haptik ist traumhaft! Wie sie verraten hat, dauerte es einige deprimierende Versuche, die richtige Konsistenz der Betonmasse entwickelt zu haben. Ein Beweis dafür, dass man eben nicht alles einfach mal so zu hause nach machen kann. Nebenbei bemerkt unterschreibt Niels das sofort. Sein 3. Versuch einer Schale, mit Goldfarbe lackiert und als Deko auf dem Weihnachtstisch war für ein paar Stunden wunderschön. Dann ist sie zersprungen. War witzig. Also für mich. (Fies!)

 

Eine weitere – in ihren leuchtenden Augen zu erkennende – leidenschaftliche Näherin schon seit Teenagertagen ist Svea. Ihr Hauptmaterial ist Kunstleder, mitunter Leder. Daraus zaubert sie praktische Accessoires, z.B. für Kleinkram, Handy und das Haar. Auffällig ist hier auch die mit mir geteilte Leidenschaft für Tüddelkram. Verzierungen mit Häkelborte sind ja echt meins! Niemals hätte ich gedacht, dass Sommersprosse schon seit zehn Jahren in Kiel aktiv ist. Meine Heimatstadt und kennen lernen tut man sich auf einem Markt in Neumünster, nachdem ich weggezogen bin. Verrückte Welt!

 

Aber nein, uns fasziniert nicht nur Nähgut. Es gibt auf dem Markt auch einige schöne Dinge aus Holz zu bestaunen.

Für den Blog fotografieren und gar filmen dürfen wir jedoch nur die Lauftiere aus dem Erzgebirge.  Dabei handelt es sich um Holzspielzeug, das allein durch ein bestimmtes Gefälle oder mit Hilfe eines Gewichts laufen kann. Nein, da ist kein Motor drinnen. Habe ich auch unterstellt. Das ist pure Physik (Nicht meins). Ein absoluter Wow-Effekt! Ehrlich gesagt empfand ich es als super entspannend, wenn die Tiere so lang gehen. Wer hinterfragt schon Dinge, wenn sie gut tun?!

 

Aus Papier bringt uns die Kartenvielfalt von Papierliebe aus Dresden zum Staunen. So filigrane Figuren auf Klappkarten kreiert Minh Ly Dang von A bis Z allein. Die Geduld hätte ich ganz klar nicht. Kennst Du das? Man sieht etwas und weiß sofort, für wen es ein Geschenk ist. Passiert bei mir nicht oft. Drum habe ich gleich eine Weihnachtskarte gekauft.

 

Da wir uns schon etwas länger über instagram “kennen”, habe ich mich sehr darüber gefreut, Claudia von Kekero mal persönlich zu treffen. Es war ein super schönes Gespräch und so ehrlich erfrischend. Eben eine gestandene Frau, norddeutsch zurückhaltend und super lieb! Nähen tut sie übrigens auch ganz tolle Sachen. Sie ist eine der ersten, die meiner instagram-Seite folgt und mir seit dem eben auch treu geblieben ist. Sowas macht mich immer besonders stolz. Immerhin hat sie ein Gewerbe und ich nicht. Damit könnte ich ihr absolut egal sein.

 

Und wo wir gerade bei einem Hobby sind. Bereits zum Anfang unserer Runde in der Halle fallen mir die riesigen Leinwände von Annfromthenorthsea ins Auge. Aufgrund ihrer Leidenschaft für die Malerei ist sie tatsächlich am Überlegen, ein (Neben-) Gewerbe zu starten. So sei ihr Haus schon voll und ihrem Mann es ganz recht, mal wieder weiße Wände zu haben. Mir fällt dabei auf, dass sie vom Format immer kleiner wird. Sie bemalt tatsächlich am Liebsten kleine Rückseiten für Anhänger. Das Tochterkind und ich, wir habe uns auch gleich verliebt und gleich einen Anhänger gekauft. Diese Striche vom Vogel, Nein, ich konnte nicht vorbei gehen 😊

 

UNSER FAZIT

Insgesamt war die Stimmung sehr gut und man hat sich sehr wohl gefühlt! Für den Marktbesuch eingeplant hatten wir maximal 1,5 Stunden. Geworden sind es 3 Stunden. Es gab durchaus viel zu entdecken. Einige Stände haben auch kleine Workshops angeboten. Beim nächsten Mal planen wir einen ganzen Tag ein, dann machen wir auch mit! Übrigens meinte Niels hinterher, dass abgesehen von der Männerecke der Besuch sich durchaus gelohnt hat. So sind unterschiedliche Geschmäcker bedient worden. Und das nicht nur beim Probieren des Likörs 😉

 

Jedoch möchten wir nicht verheimlichen, dass vereinzelt die Stimmung durch die niedrige Besucherzahl leider eher gedrückt war. Verständlicherweise, absolut! Schade finden wir dennoch, wenn sich das bei wenigen Händlern durch Getuschel und genervte Blicke auf vorbeigehende Besucher abfärbt. Denn wir waren ja vor Ort und können nichts für den fehlenden Andrang. So macht eine shoppingtour jedenfalls keinen Spass.

Nach all den Gesprächen bestätigt sich meine Meinung, dass ich niemanden beneide, der ein Handwerksgewerbe betreibt. Egal, ob als Haupt- oder Nebengewerbe. Die Abhängigkeit und Wertschätzung durch potentielle Kunden ist absolut nicht zu unterschätzen. Handwerk ist und bleibt definitiv zu wenig beachtet. So müsste in meinen Augen eigentlich alles wesentlich teurer sein. Gleichzeitig erwarte ich persönlich aus Kundensicht aber auch ein höfliches, respektvolles Auftreten. Erst danach kaufe ich tatsächlich etwas. Diese Balance wiederum aus Sicht eines (Klein-) Gewerbetreibenden zu halten ist ein Akt, keine Frage! Respekt an alle Mutigen da draußen!

DANKESCHÖN!

Visitenkarten sind bei einem Hobbyblog doch keine doofe Idee. So habe ich auch auf meiner Kreativliste ab sofort ein weiteres Projekt, nämlich kleine Kärtchen basteln. Denn wenn man als Pressevertreterin mit den Händlern ins Gespräch kommt, wollen die ja auch wissen, wer man selbst ist. So ohne weiteres würde ich meine Produkte auch nicht fotografieren lassen wollen. Diesmal haben wir alle unsere Handys gezückt. Drum danken wir den angesprochenen Ausstellern für ihre Zeit, das Vertrauen und dafür, dass wir Eure Werke für unsere Dokumentation verwenden dürfen!

Ein herzliches Dankeschön auch an dieser Stelle an Janine von handgemacht Kreativmarkt für das geduldige Gespräch mit meinen nervösen Fragen bzw. Anregungen und der Möglichkeit einen kleinen Einblick hinter den Kulissen erhaschen zu dürfen. Mein Eindruck ist, dass ihr super Organisatoren vor allem beim Aufbau seid. Sowas beflügelt mich als Besucherin bzw. potentielle Kundin natürlich auch. Nur zufriedene Händler sorgen dafür, dass ich aufgrund deren Freundlichkeit mir gegenüber meine Geldbörse öffne. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr bald mal wieder ins wunderschöne Schleswig Holstein kommt!

Last but not least muss ich mich auch für die Geduld bei unserer Tochter bedanken. Sie lief die drei Stunden einfach nur mit und hat sich Dinge angeguckt ohne rum zu quaken. Erwähnenswert, weil das kindstypisch nicht so ihre Art ist. Es gibt offensichtlich viel zu Bestaunen auf dem Markt in der gut gewärmten Halle. Natürlich gibt es auch für sie eine Kleinigkeit, gekauft bei Kekero Stoffe. Ich kann folgendes von meiner Nähliste streichen. Rosa, Pferde und Plüsch. Dinge, die ich im eigenen Stofflager nicht habe. Ob sie ihre Accessoires mit Absicht zu hause vergessen hat? hmmm…

Das war’s. Unsere Premiere ist vorbei. Ich bin dankbar über die Erfahrung und hoffe, Dir einen gelungenen Einblick über den Kreativmarkt gegeben zu haben. Wir hatten eine schöne Zeit und vielleicht besuchst Du ihn ja auch demnächst?

Wahrscheinlich brauchte es beim Lesen nicht nur einen Becher Lieblingsgetränk. Vertrau mir, ich habe versucht zu kürzen. Aber das wollte alles gesagt geschrieben werden. Wenn ich mich wohlfühle, bin ich halt eine Quasselstrippe 😅

Jetzt wünsche ich uns allen noch einen wunderschönen 2. Advent. Gute Erholung vom Roman und Danke für Deine Gesellschaft. Vielleicht gibt es ja noch die ein oder andere Idee für Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Handgemacht ist einfach schön!

Komm gut in die zweite Adventswoche!

Herzliche Grüße
Deine Jenny

P.S.: Die Fotos sind in einer Galerie und werden beim Anklicken vergrößert. Nur, falls Du das noch nicht weißt 😉

3 Replies to “Jenäht auf Kreativ-Tour”

  1. Hej jenny,
    Ein wirklich ausführlicher :-)und schön geschriebener bericht! Das klingt total interessant,ich war noch nie aufeinem kreatimarkt.wenn ich in der nähe gewesen wäre hätte ich mir das nicht entgehen lassen- ich liebe kunsthandwerk. Na gut, wir wissen ja, wieviel arbeit da drin steckt 🙂 die leute wollen einfach kein geld für handwerk ausgeben, beim discounter gibt es das schliesslich für einen appel und ein ei…nach der qualitätvfragt da keiner, hauptsache billig :0( wie bei klamotten….was will ich fû 3,95€ für einen pulli denn erwarten?!
    Genial, das du pressekarten bekomen hast 🙂 die fotos sind prima und der nännerparkplatz hat gleich den ersten lacher am morgen gebracht 🙂 … Ganz lg aus dänemark, ulrike 🙂

  2. Oh jenny.. ich liebe deine Posts einfach. So herrlich geschrieben. Da lese ich gern, auch wenn mir hier in der Bahn leider das Getränk fehlt. Recht hast du. Respekt an alle, die mit unserem Hobby Gekd verdienen wollen/müssen. Viele liebe Grüße und weiter viel Nähspaß. Maika

  3. Hallo Jenny, ein sehr schöner Bericht und ich wäre gern auf diesen Markt gegangen, das klingt nach meinem Geschmack. Vor allem das nicht sooo viele Besucher, ich hasse es, wenn man nur wo geschoben wird. LG Ingrid

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