Sei mutig!

Hallo,

inzwischen sind schon wieder Wochen vergangen und doch gab es keinen Beitrag von mir. Dennoch habe ich die vielen Kommentare zu Jahresbeginn registriert und mich sehr darüber gefreut. Offenbar sind hier doch noch nicht alle verschwunden, so schön!

Damit ich Besserung versprechen kann, habe ich mich erstmal um mich selbst kümmern müssen. Dies meint nicht nur eine neue Haarfarbe. Sondern auch mein neues Maschinen-Schätzchen. Die Nähblockade ist zwar tatsächlich damit nur kurzweilig unterbrochen worden. Zeit, ein wichtiger Faktor. Ich suche noch meine Speicherkarte und dann zeige ich auch euch mein neues DIY Abenteuer.

Allerdings ist heute mein Bloggeburtstag und den möchte ich nicht ohne euch verbringen. Bereits 7 Jahre ist mein Nähtagebuch online. In letzter Zeit nicht mehr wirklich aktuell, kann ich nicht ändern. Wie wir es gewohnt sind, schmeißen wir die Musik in der dunklen, gemütlichen Bar an. Kleine Vorwarnung, es wird heute durchaus melancholisch.

Mia – Mein Freund

Lasst uns wie immer ein Glas Lieblingsgetränk trinken und kurz über meine letzten Wochen schnattern. Anfang des Jahres habe ich bei uns an der VHS einen Stressbewältigungskurs besucht. Ganz ohne Erwartungen und doch mit dem Hintergedanken, einmal die Woche ganz ohne Familie aus dem Alltagstrott ausbrechen zu können. Der Kurs ist zu kurz gewesen, aber dafür um so intensiver. In unserer kleinen Gruppe passte einfach alles, wir haben uns super verstanden. Nicht zuletzt dank einer Kursleiterin, die soviel Ruhe, Entspannung und Gelassenheit ausstrahlt. Besser als jeder Wellnesstag. Bin ich immer noch neidisch um die Gelassenheit? Absolut!

Vorher habe ich mich tatsächlich nicht mit dem Thema Achtsamkeit und schon gar nicht mit somatic yoga auseinander gesetzt. Klangschalen sind auch immer noch nicht mein Fall 😀 Was bleibt, ist die ruhige Atmung und Sensibilisierung für den eigenen Körper. Die Seele darf man auch nicht vergessen.

AnnenMayKantereit – Du bist anders

Alles gewusst und doch nun erst wieder schätzen gelernt.  Im Kurs kam auch so einiges an Baustellen hoch, bei dem ich eigentlich dachte, es sei entweder verarbeitet oder einfach doch gar nicht so schlimm. Immerhin hab ich pures Glück daheim. Als ein prägendes Beispiel nur folgendes Erlebnis (mein Tagebucheintrag wird sonst zu lang). Da trifft man vereinzelt einen lieb gewonnenen Weggefährten und könnte doch mit dem Ende des letzten längeren Treffs vor seelischer Grausamkeit zu Grunde gehen. Ganz ehrlich, Alkohol ist keine Lösung, aber an dem Abend brauchte ich Schnaps. Die Person weiß inzwischen, warum mir unsere Umarmungen am Ende nicht gut getan haben und hält sich stringend daran, mir aus dem Weg zu gehn. Dieses konsequente Verhalten wünsche ich mir von meinem Mann auch mal bei der Kindererziehung! Wisst Ihr, niemals hätte ich damit gerechnet, dass es zwischen zwei Menschen etwas geben kann, dass kurzweilig so intensiv ist. Und nein, ich rede hier nicht von Verliebtsein bzw. Liebesgelaber oder gar mehr. Ich bin sicher, dass es einfach Verständnis und die fehlende Streitsucht meines Gegenübers gewesen sind. Platonischer als bei uns geht es wahrlich nicht. So dachte ich zumindest bis zu diesem Abend. Ansonsten braucht es manchmal offensichtlich einfach keine Gründe, um sich zu verstehen.

Rosenstolz – Irgendwo in Berlin

Öffentlich schreibe ich dies, weil ich jedem da draußen so eine besondere Begegnung wünsche! Sie ist mitunter kitschig, kurzweilig, spendet Kraft, atemraubend und ja, im Grunde ekelhaft tragisch, weil eben kein Happy End. Wobei, das hängt von der Sichtweise ab. Sie hat zumindest mich mit meiner eigenen Geschichte schlichtweg wieder zum Leben erweckt. So krass geil. Bis dato waren einzelne Lebensabschnitte einfach Abschnitte. Dank der Begegnung mit meinem Weggefährten, die ja nie stattgefunden hätte, wenn mein Leben anders verlaufen wäre, ist nun aber irgendwie meine Geschichte eine Ganze. Voller Emotionen, Langeweile, Alltagstrubel, blöden und zu vielen schönen Momenten. Am Ende geht es ausschließlich einfach um mich. Nach all den Jahren nur um mich.  Muss man mal sacken lassen. Sei egoistisch.

Rosenstolz – Das beste im Leben

Bin ich nun der Typ, der sich nach dem Ende der Vergangenheit eingräbt und sein Leben einfach weiter lebt? Nope. Nicht nach dem Achtsamkeits-Kurs. Nein, ich geh nach hause und sage meinem Lieblingsgatten schon auch echt frech: “Ich fahre nach Paris. Nicht irgendwann, sondern nächstes Wochenende!” Der nächste größte Moment ist, wenn dein Mann nichts hinter fragt. Einfach nur schaut und sagt: “na dann. ok! … stimmt schon, einer muss sich ja um die Lütte und die Tiere kümmern.” Wahnsinn, und ganz ehrlich, ich bin so im eigenen Tunnel gewesen, dass ich erst im Zug realisiert habe, wie sehr ich zurück geliebt werde.

Denn richtig, ich habe meinen besten Freund angerufen und ohne Erklärung den Koffer gepackt. Mein Körper hat nicht immer mit gemacht, Panikattacken sind die Regel. Angst um das kaputte Herz regiert die Welt. Ich hab tatsächlich eine Auslands-Krankenversicherung abgeschlossen. Eih, wir brauchen für unsere Tochter eh eine, kann frau ja gleich nutzen. Spoiler, nein, hat sie nicht 😛 Mein Mann hat mir also beim Packen geholfen. “Die Reise scheint wichtig für dich. Die Hälfte ist bereits gebucht. Du fährst!” Das ist pragmatische Liebe. Mann und Kind stehen winkend am Bahnhof. Manchmal muss frau einfach in den Zug einsteigen (später auch ICE – wichtig, weil ich damit bisher noch nie gefahren bin!) und los fahren. Exakt 18 Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet. Viel zu lange. Und dann steigst du sonntags zum Frühstück in Paris Gare de l’Est aus, rennst zur Pont Neuf und der Puls rast nicht mehr. Es regnet wie aus Kübeln, aber es ist so unglaublich warm und perfekt. Vor allem abends am Eifelturm. Ich bin älter, nicht wirklich weiser, aber diese Stadt ist seit meinen ersten Besuchen zu Schulzeiten einfach meine. Muss man sich mal bewusst machen, wie sich einzelne Lebenswege immer mal wieder zusammenfügen. Und mein Weggefährte ist mit seiner Aktion der Auslöser für mein neues Abenteuer gewesen. Ist schon irre. Bin ich doch so unglaublich dankbar für die wenige gemeinsame Zeit. Mais j’trouve pas d’refrain à notre histoire. Tous les mots qui m’viennent sont dérisoires. J’sais bien que j’l’ai trop dit. Merci beaucoup.

Patrick Bruel – pour la vie

Es ist alles so, wie es sein soll. Am Louvre rufst du über video call deinen Mann an, denn der liegt krank auf dem Sofa, organisierst Kinderbetreuung aus Paris. Die Welt ist verrückt, der Magen zieht sich zusammen. Die Nachbarn kümmern sich und tadaaa, abschalten. Und jetzt an alle wunderbaren Mütter da draußen: meine Tochter ist alt genug und ja, ich habe meine Familie tatsächlich 4 Tage nicht vermisst. Hätte sogar länger weg bleiben wollen. Eine Bekannte sagte zu mir hinterher, ich sei mutig. Warum eigentlich? Warum soll mein Leben hinten anstehen, nur weil ich Ehefrau, Mutter und Arbeitstier bin? Ich bin einfach Ich. Die sturste und bekloppteste Person überhaupt 🙂

Im Grunde war die Reise der Anfang von der Erkenntnis, sich wirklich öfters alleine eine Auszeit zu gönnen. Wir leben nur einmal, also müssen wir eben unser eigenes Leben nutzen. Eine Schlussfolgerung aus einer schicksalhaften Begegnung, die ich nun nicht mehr hinterfrage, sondern die Erinnerung einfach nur noch genießen werde. Ich gehöre da hin, wo ich bin. Und zwar mit der größten Liebe für meine Familie.

Alexander Eder – Für diesen Moment (witzig, im Grunde begann alles mit einem Konzert von Alexander in den Hamburger Docks auf St. Pauli)

In diesem Sinne, mein Appell: nicht immer nur nähen oder sonst wie kreativ sein, sondern einfach raus aus dem Alltag. Ganz ehrlich, an die Tür vom Nähzimmer klopft ja doch ständig einer. Oder es wird einfach hineingestürmt. …

Haut alles wech, was euch nicht gut tut! Seid mutig.

Wir Frauen müssen raus und Leben! Vielleicht auch einfach mal in einem schönen Café etwas leckeres Naschen.

Und mein 40 jähriger Körper stimmt folgenden nett gemeinten Hinweis an: Atmen. Einfach. Atmen.

Wahnsinn. Unglaublich. Ich war wieder in Paris. Mit die wichtigste Reise meines Lebens. Aber nicht meine letzte.

Lustigerweise bin ich nach Paris komplett auf den “muss Dinge machen, die ich unbedingt schon lange machen wollte”-Tripp gekommen. So habe ich meinen Mann dazu genötigt, mit mir nach Hamburg ins Musical “Tanz der Vampire” inklusive Hotelaufenthalt in St. Pauli zu fahren. Natürlich wieder mit Zug. Im Zug kann man so schön träumen und Musik hören und einfach den Kopf auf die Schulter des eigenen Mannes fallen lassen.

Bei dem Gemälde musste ich übrigens wieder unweigerlich an “Heroes” von David Bowie denken. Einer meiner Lieblingssongs. Deswegen immer mal wieder bei der Bloggeburtstagsparty dabei 😉

Mein Kumpel würde jetzt sagen: “Wenn man überall Symbole sehen will, sieht man sie auch.” Und ich schreie: “ja, verdammt. Ich will und ich genieße, weil ich so wieder fühle!” Natürlich sag ich sowas nicht laut. Jamais. J’te l’dis quand même.

Nein, ich spiele jetzt auf gar keinen Fall Edith Piaf mit “Non, je ne regrette rien.” – DAS wäre nun wirklich der kitschigste Abschlusssong meiner kleinen Geburtstagsparty überhaupt.

 Lady Gaga, Bradley Cooper – Shallow (live from the oscars)

Happy Birthday, mein Blog. Bald bist du auch wieder ein Nähblog und kein “Ich schrei Privates in die Welt -Tagebuch”. Obwohl, alle meine bisherigen Beiträge sind privater Unfug. Grinsend freue ich mich übrigens auch ein bissel darüber, meine Schreibblockade durchbrochen zu haben. Ich habe an meinem Geburtstag gesagt: “Im kommenden Jahr wird sich einiges ändern. Mit und bei mir”. Kann schon nach 5 Monaten nicht behaupten, dass ich falsch gelegen habe 😀

Lasst uns die Gegenwart genießen und einfach Leben.

Herzlichst,
Eure Jenny

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Freutag

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